Kein Opfer ist zu groß?

Jede Woche stellen wir eine neue „Saite“ (Szene) der Orpheus Shorts vor. Die bisherigen Saiten:
Zu groß zum Sterben?

Eine Stadt unter Beschuss. Die feindliche Armee steht im Zentrum, in einer halben Stunde fährt der letzte Zug. Die Filmemacherin sitzt am Schneidetisch und arbeitet.

Ihre Assistentin fleht sie an mitzukommen. Es nütze doch nichts, wenn sie hier stirbt. Die Filmemacherin wiegelt ab – der Schnitt muss erst noch fertig werden.

Das ist keine mutige Entscheidung, und es ist auch keine schwere. Es ist überhaupt keine – für sie steht nichts zur Wahl:

„Du verstehst es nicht. Wie denn auch? Was ist mein Leben wert? Nichts im Vergleich zu diesem Werk! Kein Opfer ist zu groß!“

Als der Strom ausfällt, nimmt sie den Film aus der Maschine, legt ihn in seine Rolle und spricht ihn an wie ein Kind, bevor sie schließlich fliehen muss.

Am Ende zählt nur noch eine Sache, und alles andere wird verhandelbar.

Hinter unseren Schattenwänden läuft dann ihr Leben ab. Nicht als Entschuldigung, eher als Beweisführung: Kränkungen, Kompromisse, Angebote, die man nicht ablehnt. Man sieht einer Frau dabei zu, wie ihr Stück für Stück alles abhandenkommt, was sie diesem einen Satz hätte entgegenhalten können.

Auch sie geht einen Weg nach oben, mit etwas, das sie nicht verlieren darf.

„No sacrifice is too big“ ist unsere zweite Saite. Kein anderer unserer Shorts beginnt so laut – und keiner wird danach so still.

Nächste Woche stellen wir dir die dritte Saite vor. Da geht es um einen Mann, der nicht mehr schreiben kann – und um die Stimmen, die er überall hört.