Jede Woche stellen wir eine neue „Saite“ (Szene) der Orpheus Shorts vor. Die bisherigen Saiten:
(1) Zu groß zum Sterben?
(2) Kein Opfer ist zu groß?
(3) Perfekt ist der Feind von gut?
(4) Kann Kunst die Welt verändern?
Eine Fotografin steht vor ihrer Kamera und streckt die Hände aus. Sie kommt nicht an sie heran.
Jedes Mal, wenn sie sie fast berührt, erscheint hinter ihr ein Schatten und spricht. Es sind Stationen einer Beziehung, und sie laufen der Reihe nach ab: das erste Date, die ersten Sätze, die sich anfühlen wie Ankommen. Dann die Sätze, die etwas verschieben. Dann die, die etwas wegnehmen. Keiner davon ist für sich genommen Grund genug zu gehen.
Emma sagt dabei sehr lange nichts. Fast die ganze Szene hindurch fällt kein Wort von ihr. Sie erstarrt, sie hält sich die Ohren zu, sie dreht sich um – und findet nie jemanden, den sie ansehen könnte. Die Schatten verblassen, bevor sie sie erreicht.
Denn der Mann, um den es geht, tritt nie auf. Er hat keinen Körper. Er ist eine Stimme im Rücken, mal von der einen Seite, mal von der anderen.
Was ihr genommen wurde, ist nicht die Kamera. Die steht da. Es ist die Selbstverständlichkeit, sie in die Hand zu nehmen.
Und was sie zurückhaben will, ist kein Gegenstand und kein Können. Es ist die Frau, die sie war, bevor jemand angefangen hat, ihr zu erklären, wer sie ist.
„Ich kann sie nicht halten. Nicht mal anfassen ohne zu zittern.“
Auch sie streckt die Hand nach etwas aus, das sie nicht mehr erreicht.
„If it is possible at all“ ist unsere fünfte Saite, unser psychologisches Drama.
Ein Hinweis, weil er zu dieser Geschichte gehört: Der Abend behandelt unter anderem seelische Gewalt in einer Beziehung und sexualisierte Gewalt. Falls du das vor einer Entscheidung wissen wolltest – jetzt weißt du es.
Nächste Woche stellen wir dir die sechste Saite vor. Da geht es um einen alten Tänzer und um eine Geschichte, die seine Tochter ihm nicht erzählen will.
Karten für „Orpheus Shorts“ kannst du jetzt reservieren.
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