Eine Melodie, die nicht passt

Wenn du dich vorab über unser Stück informieren willst, bieten wir dir jetzt schon einige spannende Texte! Heute: André Brill hat die Musik für Orpheus Shorts komponiert, und hier erzählt er, wie sie gebaut ist.

Weitere Texte:
Einleitung zum Stück
Was unser Orpheus nicht lernt – ein Schlüsseltext zur Inszenierung
Die sieben Geschichten im Detail

Die Musik für Orpheus Shorts ist eine Originalkomposition. Sie wurde für das Stück geschrieben und von der Dramaturgie der Szenen inspiriert.

Das Spiel auf der Bühne triggert die Musik. Zum Teil wurde sie vorab aufgenommen und wird während der Aufführungen über Loops eingespielt; zum Teil wird sie live gespielt.


Die Komposition ruht auf vier Akkorden, die einen Namen buchstabieren: h – a – d – es. Sie ist vollständig reduziert: auf die vier Akkorde, auf ein Tempo, auf einen – elektronischen – Klang.

Die vier Akkorde sind vermindert. Sie lösen sich nicht auf, sind weder Dur noch Moll. Sie bleiben und lassen alles offen.

Jede Szene ist Variation und Wiederholung. Motive kehren wieder, verändern sich kaum merklich und kommen nicht zum Ende. Diese Bewegung kannst du sehen: wenn der Hades in Schwingung gerät. Nichts endet. Alles kommt wieder.

Es gibt keinen Gleichschritt. Die Motive folgen unterschiedlichen Taktmaßen. Sie legen sich übereinander, treffen sich für einen Moment, um direkt wieder auseinanderzulaufen. Keine Stimme kommt zur Ruhe, keine setzt sich durch.

Die Musik steht nie still. Sie bleibt offen, rastlos, zerrissen.

Nur eine Melodie passt nicht in den Fluss der Loops. Sie fällt aus dem Rahmen, stolpert gegen den Takt und findet keinen Platz. Das ist die Melodie des Orpheus: die Sehnsucht, die sich nicht erfüllt. Die ihren Ort sucht. Und ihn schlussendlich im Blick zurück findet: im Orpheus-Song.